Nichtentscheiden und Nichthandeln wider besserem Wissen

 

Heute geht es darum, kein Opfer falscher Wahrnehmung sein, um dadurch
rechtzeitig zu entscheiden und zu handeln!

Sind Sie auch Meister der kognitiven Dissonanz?

Kennen Sie das: Sie ärgern sich als Führungskraft, dass Sie nicht schon längst eine überfällige Entscheidung getroffen habe? Sie ärgern sich im Nachhinein, dass Sie diese Entscheidung so lange vor sich hergeschoben haben? Sie haben sich schon wiederholt vorgenommen, beim nächsten Mal wird das anders?
Dann möchte ich Sie gerne unterstützen, dass dem wirklich so wird.

Dazu ist es von Vorteil, dass wir ein „Vor-sich-Herschiebe-Muster“ durchschauen, welches diese Wiederholungen des Nichtentscheidens und dadurch Nichthandelns zulässt, ja förmlich herbei zwingt.

Sie haben schon von der „kognitiven Dissonanz“ (KD) gehört oder gelesen? Diese drückt aus, dass wir oft wider besseres Wissen handeln bzw. nicht handeln. In uns spielen sich Unvereinbarkeiten bezüglich Wahrnehmung, Erkenntnis, Erinnerungen usw. ab, die sich scheinbar nicht beseitigen lassen. Und auf dieser Grundlage entscheiden/handeln wir. Oder auch nicht.

Eine Kernerkenntnis der KD ist:
Das erinnernde Selbst würde lieber in der Zukunft weiter leiden (vertagen), nur um nicht zugeben zu müssen, dass es dem vergangenen Leiden an jeglichem Sinn fehlt.

Beispiele:

  1. 1999 beschloss die Regierung von Schottland, ein neues Parlamentsgebäude zu errichten. Laut ursprünglichem Plan sollte das Bauvorhaben zwei Jahre dauern und 40 Millionen Pfund kosten. Tatsächlich dauerte es fünf Jahre und kostete 400 Millionen Pfund. Jedes Mal, wenn die Bauunternehmer auf unerwartete Schwierigkeiten stießen, baten sie bei der schottischen Regierung um mehr Zeit und Geld. Jedes Mal, wenn das geschah, sagte sich die Regierung: „Wir haben schon 40 Millionen Pfund versenkt und werden völlig diskreditiert sein, wenn wir den Bau jetzt stoppen und mit einem halb fertigen Skelett dastehen. Geben wir also noch einmal 40 Millionen Pfund.“ Ein halbes Jahr später geschah genau das Gleiche, wobei der Druck, bloß nicht mit einem unfertigen Gebäude dazustehen, noch größer war; sechs Monate später wiederholte sich die Geschichte erneut und immer so weiter, bis die tatsächlichen Kosten zehnmal so hoch lagen wie ursprünglich geschätzt (Bsp. aus Homo Deus).
    Wenn Sie an die Elbphilharmonie, den Berliner Flughafen oder ähnliche Projekte denken, dann fallen Ihnen sicherlich Ähnlichkeiten auf.
  2. Die Suche eines neuen Mitarbeiters hat die Führungskraft viel Zeit und Geld gekostet. Die Ausbildung und Einarbeitung war ebenfalls ein nicht unerhebliches Investment. Nach einigen Monaten stellt sich heraus, dass dieser Mitarbeiter weder menschlich noch fachlich passt.
    Um sich nicht eingestehen zu müssen, dass man sich blenden hat lassen, dass die Auswahlkriterien nicht stimmten oder man wider die Fakten eine bloße Bauchentscheidung getroffen hat, wird dann oft eine Entscheidung zu lange vertagt. Die „faule Frucht“ darf weiter infizieren und Rechtfertigungsgeschichten werden um das Nichtentscheiden aufgebaut. Und das kann richtig teuer werden.
  3. Eine Beziehung, die längst am Ende ist wird weitergeführt, obwohl alle „Fakten“ dagegensprechen. Man hat ja so viel investiert, positive Momente werden heroisiert und das „man kann doch nicht“ erfindet  traurige Zukunftsgeschichten. Da leidet man lieber weiter und bezahlt einen hohen Preis für schlechte Lebensqualität.
  4. Sie fahren eine weite Strecke zu einem Geschäft um ein bestimmtes Teil für Ihren Garten einzukaufen. Das bekommen Sie aber heute nicht. Hmmm? Aber wo Sie doch den weiten Weg gefahren sind, wollen Sie das doch nicht umsonst getan haben. Sie geben der Fahrt einen Sinn und kaufen etwas anderes, das Sie „eigentlich“ gar nicht brauchen.

Die kognitive Dissonanz ist auch ein Grund dafür, dass Kriege weitergeführt werden, obwohl keine Chance auf einen Sieg besteht. Um die Bevölkerung aber einzulullen, werden dann „Geschichten“ aufgebaut, um weiterhin den Einsatz von Menschen und Geld dafür zu rechtfertigen.

Menschen sind Meister der kognitiven Dissonanz! Sie wollen sich nicht eingestehen, dass es dem vergangenen Leid an Sinn fehlt. Sie erfinden für Fehlschlage eigene Geschichten, um falsche Entscheidungen zu rechtfertigen bzw. ihnen doch noch einen Sinn zu geben (siehe hierzu auch das unbedingt lesenswerte Buch von Yuval Noah Harari „Homo Deus“).

Impulse und Lösungsmöglichkeiten:

  • Seien Sie ehrlich zu sich selbst und zeigen Sie Haltung.
  • Definieren Sie (wieder einmal) Ihre persönlichen Werte.
    • Was geht und was geht keinesfalls.
  • Besinnen Sie sich auf Grundsätze:
    • Ich werfe dem schlechten Geld kein gutes hinterher.
    • Investment in einen schlechten Mitarbeiter / Menschen hat eine von mir definierte Grenze.
    • Ich rechne ohne Schönrechnen: Was kostet es mich wirklich?
      • Nicht nur Geld, viel eklatanter ist die reduzierte Lebens- und Arbeitsqualität, die durch Nichtentscheiden auf einen selbst und dadurch auch auf andere einwirkt.
  • Arbeiten Sie an Ihrem Resilienz-Wachstum:
    • Denken Sie in Chancen, nicht in vergangenen Fehlern.
    • Was habe ich gelernt? Was mache ich das nächste Mal besser?
    • Beispielsweise: „Ich weiß, dass ich aus vermeintlicher Höflichkeit im letzten Einstellungsgespräch tiefergehende Fragen nicht gestellt habe. Das wiederhole ich nicht!“
  • Selbstanalyse:
    Wo grummelt es mir aktuell im Bauch? Warum? Wie lange schon? Kostet? Wie lange noch? Was geschieht Positives, wenn es nicht mehr grummelt?

Der kognitiven Dissonanz nicht zu oft aufzusitzen, sollte ein individuelles Entwicklungsziel (Reifeziel) sein. Die Reaktion ist natürlich typbezogen, oft auch menschlich verständlich und nicht immer zu vermeiden.

Aber auch Führungskräfte sind ja lebenslang Lernende. Halten Sie es mit Goethe:
„Hast Du nach innen das Mögliche getan, gestaltet sich das Äußere von selbst.“

Frohes, gesundes und erfolgreiches Schaffen wünscht Ihnen
Ihr Spezialist für das „eigentlich“

Peter Saulus

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