Sorgen Sie rechtzeitig für Druckausgleich!

Der FührungsTipp für den Herbstanfang soll wieder einmal Eigenimpulse setzen, damit man Herr über das eigene Handeln bleibt.

 “Ich habe zu viel Druck!”
Dieser oft erschöpft geäußerte Satz ist eine der viel gehörten Aussagen in Situationsbeschreibungen von Führungskräften auf die Frage, was denn in ihrem Führungsalltag nicht in ihrem Sinne funktioniert. Nicht umsonst beschäftigen sich viele aktuelle Artikel und Kommentare über das Arbeitsleben mit den Explosionen und Implosionen des so genannten Überdrucks.

Druck entsteht immer dann, wenn Menschen Ihre Situation entweder falsch einschätzen, oder noch schlimmer, diese gar nicht mehr selbstreflektierend wahrnehmen können. Zweifelsfrei ist jedoch, dass jeder der Verursacher seines eigenen Druckes ist.

Wenn ich das schreibe, höre ich jetzt, wie auch oft in den Seminaren, einen Aufschrei und sehe die Zeigefinger in Richtung Der-Die-Das-sind-schuld deuten. Also auf andere. Damit soll ausgedrückt werden: “Ich kann nicht anders, ich muss mich dem Druck, den andere auf mich ausüben, beugen.”

Diese „Ich-muss“-Ausrede zeigt nichtsdestoweniger auf, dass an einem Leiden entweder nicht konsequent verändert wird oder das Akzeptieren eines Zustandes so wie er ist, (noch) nicht möglich ist. Und wenn es nicht gelingt, aus dem „ich muss“ ein „ich will“ zu machen, dann führt dies letztendlich zu dem Gefühl, fremdbestimmt oder fremdgesteuert zu sein.

Dies hat zur Folge, dass das Herumdoktern an Drucksymptomen auch gleich bei allen anderen Menschen in unserem Umfeld beginnt. Mit Ratschlägen, die dann den Druck bei anderen erhöhen, ist man dann vorschnell bei der Hand und seinem inneren Schweinehund hat man wieder Spielraum verschafft, sich nicht bewegen zu müssen.
Dies sind dann “Ratschläger”, die Ordnungstipps erteilen, obwohl ihr Schreibtisch wie nach einem Granateneinschlag aussieht. Auch jene, die ihre Mitarbeiter mit “Sie müssen mal Prioritäten setzen” zurechtweisen und im gleichen Atemzug die Planungen und Prioritäten von Mitarbeitern durch operative Hektik oder spontanes Um-Entscheiden gerne einmal durcheinander wirbeln.

Kann es sein, dass Sie sich unbedingt Fragen stellen sollten, weil die Methoden und Regeln, die Sie für Ihr Leben entwickelt haben und nach denen Sie leben, in diesen dynamischen Zeiten nicht mehr funktionieren? Es hat sich herausgestellt, dass Menschen, die glauben Experten in ihrem eigenen Leben zu sein, tendenziell schlechte Hinterfrager ihres Handelns sind.

Wie mein amerikanischer Kollege Warren Berger in seinem Buch „Die Kunst des klugen Fragens“ richtig anmerkt, ermöglicht eine gute Frage auch, eine Distanz zum Problem herzustellen, einen Schritt zurück zu treten und eine entferntere Sicht auf das große Ganze zu richten. Eine kluge Frage ist eine anspruchsvolle, aber praktisch verwertbare Frage.

Kluge Fragen haben eine einfache Struktur und ermöglichen kein Ja oder Nein:

  • Warum … ?
  • Was wäre wenn … ?
  • Wie … ?

Für „Überdruck“-Kandidaten können Sie konkret lauten:

  1. Warum tue ich, was ich tue?
  2. Warum halte ich diesen Druck aus
  3. Was ist bei dem ganzen Wandel um mich herum wirklich mein/unserGeschäft?
  4. Was wäre wenn ich diesen Druck beseitige, ausräume oder nicht mehr zulasse?
  5. Was wäre wenn ich es anders oder nicht mehr tue?
  6. Was wäre, wenn ich mich nur noch den Aufgaben und Informationen widme, die essentiell sind, um meinen Job gut und druckfrei zu machen?
  7. Was wäre wenn ich Nein sage, wenn ich Nein spüre?
  8. Was wäre mir möglich, da ich weiß, was ich jetzt weiß?
  9. Wie stelle ich mir ein druckfreies Agieren vor?
  10. Wie kann ich es angehen?
  11. Wie schnell will ich sein?
  12. Wie gehe ich mit meinen Grenzen um?

Ich garantiere Ihnen, Ihr Leben lebt sich angenehmer, wenn Sie sich diesen Fragen widmen und Antworten darauf finden. Auch wenn Sie sich für keine Veränderung entscheiden, dann ist bei einem Ja zur Situation wenigstens das Jammern vorbei. Sie wollen es so (= Akzeptieren ohne zu leiden). Wenn nicht, fangen Sie mit den Fragen nochmal von vorne an!

Andreas Tenzer (dt. Philosoph) hat  sinngemäß und passend zum Thema ausgedrückt:
“Unter Druck steht man in der Mitte zwischen zwei Fehlern.”
Ich ergänze: Schalten Sie diese aus/ab, und der Druck ist weg!

Sie sagen: “Das kenn´ ich schon!”, dann lautet meine Frage: “Setzen Sie es schon nachhaltig um und ein?”

Zu diesem und weiteren Führungsthemen starten wir ab 18. April 2016 wieder ein Kompetenz-Seminar für Führungskräfte in München.
Ergänzendes ist auch Nachzulesen in meinem Buch “Führen ohne Leiden”, Springer-Gabler.

Herzliche Grüße
Ihr Spezialist für das “Eigentlich”

Peter Saulus

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